Dittelsheim-Heßloch
Gottesdienstzeiten
Sankt-Jakobus
Sankt-Peter und Paul
Sankt-Georg
Sankt-Josef
Sankt-Johann Baptist
Aktuelles
Seelsorger
Dienste u. Gruppen
Gremien
Impressum
Impulse / Predigten
Kath. Kindergarten
Der Jakobsweg
Haus St. Sebastian
Haus St. Michael
Kirchenchor Westhofen
Kirchenchor-Hessloch
Archiv

Impulse und Predigten verschiedener Theologen
 

 

Die Urheberrechte der hier veröffentlichten Texte liegen bei den Autoren.
Eine weitere Verwendung bedarf der schriftlichen Zustimmung des Autors.

 

 

Predigt des Dr. Franziskus Eisenbach am Feste Maria Geburt zum 75. Weihetag der Mariensäule
am 8. September 1989 in der Pfarrkirche
 
 liebe Schwestern und Brüder im Glauben

1. Die grosse Heilsgeschichte Gottes mit uns Menschen 
Dieser heutige Abend und dieser Gottesdienst laden uns dazu ein, ein wenig innezuhalten und den kleinen beschränkten Ausschnitt unseres Lebens in das Panorama der ganzen Geschichte der Menschheit, das Panorama der Heilsgeschichte Gottes mit uns Menschen hineinzustellen. Wenn wir uns fragen, was dieses Fest Mariä Geburt uns sagen will, so dürfen wir es gewiss auf der menschlichen Ebene feiern und uns darüber freuen als den Geburtstag der Gottesmutter. Jeder, der sie liebt und sie verehrt, wird dieses Fest ihrer Geburt gerne feiern. Nun ist aber Maria keineswegs nur eine einzelne Persönlichkeit mit einen besonderen Privileg, sondern Maria ist darüber hinaus die Kutter der Glaubenden, die Mutter der Kirche. Sie ist diejenige, an der wir erkennen können, wie von Gott her der Mensch gedacht ist und wie vollkommenes Menschsein aussehen soll. So wendet der Geburtstag Mariens unseren Blick nicht nur auf sie, sondern gleichsam durch sie hindurch auch auf das erlöste Menschsein, das in ihrer Person gewissermassen zusammengefasst und uns vor Augen gestellt wird.
In der Tradition der Kirche verbindet sich mit dem Fest der Geburt Marias die Erinnerung an den Beginn des Heiles, die Erinnerung daran, dass Gott in der Mitte der Zeit sich entschlossen hat, seinen lieben Sohn durch Maria Mensch werden zu lassen und uns so das ersehnte Beil, die Erlösung zu schenken. Was da in der Fülle der Zeit sich ereignen sollte, ist durch die ganze Zeit hin schon vorbereitet. So haben wir es in der Lesung gehört. dass Gott schon von Ewigkeit her diejenige erwählt und vorausbestimmt hat, die er für seinen Heilsplan gebrauchen wollte. Dies gilt für Maria und es gilt auch für uns. So lenkt das Fest Maria Geburt unseren Blick noch weiter in die Vergangenheit. Wir dürfen staunend wahrnehmen. dass Gott von Ewigkeit her den Menschen so gedacht und gewollt hat, dass er einmal endgültig sich mit den Menschen verbinden und mit
ihm Gemeinschaft haben wollte. Die unendlich lange Geschichte der Vorbereitung unseres Heiles wird uns am heutigen Tag ausführlich in dem Evangelium, das wir soeben gehört haben, angedeutet. Der Evangelist Matthäus stellt uns den Stammbaum Jesu Christi vor
Augen und lässt diesen Stammbaum mit dem Vater Abraham beginnen, dem Vater des Glaubens. Matthaus nennt dann jeweils vierzehn Generationen bis zum König David. dann weitere vierzehn bis zur Exilzeit, als Israel zerstört und in die Verbannung geschleppt
wurde und noch einmal 14 Generationen bis zu Josef , dem Mann Mariens, dem Pflegevater Jesu. Damit sagt der Evangelist. dass Jesus Christus der Erbe dieser ganzen Geschichte Israels ist, die in Maria gewissermaßen ihre letzte Blüte und ihre
Zusammenfassung und Erfüllung findet. Sie ist. wie wir es in den Geheimnissen der Lauretanischen Litanei nachher beten werden.
Die geheimnisvolle Rose, die aus dem Wurzelstock Davids erblüht; sie ist die Bundeslade, die den neuen Bund leibhaft in sich trägt, die Pforte des Himmels, durch welche der Sohn Gottes selbst in unsere Welt eintritt. Maria ist die Zusammenfassung der Geschichte Israels, die Tochter Sion, das neue Israel, das seiner Berufung und Erwählung gerecht wird und dem Erlöser Raum gibt.
Der Evangelist Lukas geht noch einen Schritt weiter. Er führt den Stammbaum Marias zurück bis auf Adam und Eva und sagt uns damit: Maria ist gleichsam die Frucht der ganzen Menschheitsgeschichte und fasst in sich die ganze Sehnsucht der Menschheit von ihrem
Anfang her zusammen. indem sie sich bereit hält, der Frage Gottes, ob sie ihm in ihrem Leben Raum geben wolle, die rechte
Antwort zu geben: „Siehe ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe nach deinem Wort".
Das Geburtsfest Mariens weitet unseren Blick in die ganze Geschichte dieser Welt, der Menschheit und Israels. Sie lenkt unseren Blick auf die Geschichte der Kirche und so auch auf unsere eigene Glaubensgeschichte. Wir werden gewissermaßen Erben dieser unendlichen Geschichte, die bis auf den heutigen Tag weitergeht.

2. Die Geschichte unseres Glauben in unserem Land
Wir haben versucht, etwas auf die universale Heilsgeschichte zu schauen, die Geschichte Gottes mit seinen Menschen,
denen er seine Gnade schenkt und an deren Ungehorsam seine Liebe immer wieder scheitert. Schließlich hat er dennoch durch seinen Sohn seinen
Plan mit uns Menschen endgültig verwirklicht, indem Jesus Christus der neue und wahre Mensch wurde, der die Antwort
auf Gottes Liebe durch sein Leben und Sterben für uns alle gegeben hat und uns so die Erlösung erworben hat.
In diese gewaltige Heilsgeschichte wollen wir nun auch unsere kleine überschaubare Geschichte hineinstellen. Dazu mag uns die Geschichte der Mariensäule helfen, in der uns ein Stück Geschichte unseres Landes, ein Stuck Kirchengeschichte und ein Stück Geschichte dieser Pfarrgemeinde sinnenfällig greifbar begegnet.
Es gibt doch zu denken, wenn hier in Heßloch seit über tausend Jahren in einer ununterbrochenen Tradition Gottesdienst gefeiert wurde und man nachweisen konnte, dass über diesen langen Zeitraum hier immer Seelsorger gewirkt haben. Es gibt zu denken,
dass es hier eine Herrschaft gab, die sich entschlossen hat, in Heßloch eine Kapelle zu bauen, in
der ihr Gedächtnis bis auf den heutigen Tag lebendig geblieben ist. So können wir uns fragen, wofür denn diese Kapelle und in Anschluss daran die Mariensäule Erinnerung sein möchte.
Aus der Geschichte hören wir. daß an Anfang der fromme Gedanke der Kämmerer von Worms stand. Für ihr Seelenheil in dieser Kapelle Messen lesen zu lassen. Dafür wurde eine Stiftung errichtet. Aus heutiger Sicht würden wir vielleicht sagen, dass diese
Herrn ein wenig zu sehr an sich selbst gedacht haben. In der Sorge um ihr eigenes Seelenheil haben sie vielleicht nicht genug auf ihre Sendung und auf ihre Aufgabe als Christen geachtet. Und so hat es tatsachlich, nicht lange gedauert. bis diese Stiftung sinnvoll erweitert und umgewandelt wurde, indem sie eingerichtet wurde für Pilger, für Wallfahrer, die unterwegs krank geworden waren.
So kam zu dem ursprünglichen Gedanken der Sorge um das Seelenheil der Stifter gleichberechtigt die Sorge für kranke und alte Menschen hinzu. Damit ist eigentlich erst die ganze Dimension christlichen Lebens in den Blick gekommen, in welchem es nie nur um die eigene Beziehung zu Gott und das Gelingen des eigenen Lebens gehen kann, sondern immer auch um die Weitergabe der Liebe Gottes an andere Menschen und die Sorge um ihr Leben und ihr Heil. Es ist gut, dass die Stiftung „Hospital Heßloch“ bis in unsere Tage weitergeführt wird und so die Erinnerung daran wach hält, dass es zum Dienst des Christen
gehört, sich um Menschen in Hot zu kümmern. So verbindet sich schon in der Geschichte der
Mariensäule und des Hospitals die Sorge um das Heil des Nächsten mit der Sorge um das eigene Heil. Damit mag die Mariensäule für uns ein Sinnbild für die notwendige Verbindung von Gottesliebe und nächstenliebe sein. Die fromme Bindung an Gott wendet
den Blick des Gläubigen auf die Menschen, die Gottes besondere Freunde sind. die Armen und notleidenden.
die die Hilfe ihrer Mitchristen brauchen, seien es nun die krank gewordenen Pilger oder die alt gewordenen Angestellten der Wormser Kämmerer oder wer immer besonders der Hilfe bedarf. Und so ist diese Stiftung nach wie vor ı Mariensäule in Geltung; ihr Ertrag kommt notleidenden Menschen zugute. Dabei werden wir gewiss nicht nur an die Menschen denken, die im äußeren
Sinne in Not sind, sondern ebenso auch an die vielfältige innere geistliche und geistige Not unter der zahllose Menschen auch hierzulande und heutzutage leiden. 
Die Geschichte dieses Heiligtums zeigt uns, dass wir hier ein Denkmal des Glaubens vor uns haben. das uns die Dimensionen des Auftrages Gottes vor Augen stellt, nämlich die Aufgabe der Verherrlichung Gottes und die damit unlöslich verbundene Aufgabe
der Sorge um den Nächsten. Beides gehört unmittelbar zusammen und darf nicht auseinandergerissen werden.
Die Mariensäule mag uns daran erinnern. dass die Einheit von Gottes- und Nächstenliebe Kennzeichen wahrer christlicher
Gemeinde sein muss.

3. Das verpflichtende Erbe des Glaubens
Wenn wir dies bedenken, so stellen sich uns viele Fragen. Die drängendste Frage mag sein, ob es uns gelingen wird. den über fast zwei Jahrtausende gelebten und verkündeten Glauben auch weiterzutragen; ob wir noch die innere Glaubenskraft haben,
das Zeugnis des Evangeliums der nachfolgenden Generation vorzuleben und weiterzusagen. Ich bin froh darüber, dass heute Abend in diesem Gottesdienst auch viele junge Menschen sind: Messdiener, Kinder und Jugendliche. Ich bitte euch darum, nicht nur zu diesem besonderen Anlass, zu dieser besonderen Feier zum Gottesdienst zu kommen. Ihr seid die Erben der Glaubensgeschichte von der ich gesprochen habe und Ihr seid auch diejenigen, die den Glauben in die nächste Generation, das nächste Jahrhundert,
ja in das nächste Jahrtausend weitertragen sollen. Ich danke aber auch Ihnen allen, die Sie heute Abend gekommen sind, diesen festlichen Gottesdienst mitzufeiern. Sie sind als christliche Gemeinde die Träger des Erbes, das wir übernommen haben und diejenigen, die jetzt den Auftrag haben, dieses Erbe an die junge Generation weiterzugeben. Niemand von uns kann sich der Sorge entziehen, ob wir wohl die Überzeugungsfähigkeit und die Glaubwürdigkeit haben werden, die Tradition des Evangeliums in unserer Zeit nicht abbrechen zu lassen, sondern es in die kommende Zeit hineinzutragen. Wer aber unsere Kirche und unsere Pfarrgemeinden betrachtet und die religiöse Situation in unserem Land bedenkt, wird sich eingestehen müssen, dass wir vieles verloren haben und in mancher Hinsicht als Boten des Evangeliums versagt haben. Wir wollen. Deshalb auch heute Maria, unsere Mutter, um ihre Fürsprache bitten, dass sie unseren Glauben stärke und uns helfen möge, als glaubende Menschen unseren Weg zu gehen und anderen diesen Weg zu zeigen. Es gibt noch eine zweite Sorge, die zu bedenken ist.
In unserer Kirche haben wir eine bewundernswerte Vielfalt an bestens organisierter Nächstenliebe in den karitativen Einrichtungen,
in den Bildungseinrichtungen und in den zahlreichen Einrichtungen der Krankenpflege. Es gab nie eine Zeit, in der wir eine
solche Fülle an organisierten Diensten der Nächstenliebe hatten. Dies ist gewiss ein Ruhmesblatt unserer Kirche. Die Frage und Sorge heißt aber, ob alle diese
unsere Einrichtungen noch in der rechten Ordnung bestehen und ihren Dienst tun. Ob wir also noch wissen, dass es zum Sinn menschlichen Lebens und zum Auftrag des Menschen gehört, Gott die Ehre zu geben, um sich dann um Gottes Villen den Menschen zuzuwenden. Wir können uns nicht durch unsere karitativen Einrichtungen und Organisationen von der Verpflichtung freikaufen, dass jeder ganz persönlich die Liebe Gottes anderen Menschen schenken soll. Letztlich wird das Leben des Menschen und verpflichtender noch das Leben des Christen daran gemessen, ob uns die Einheit von Gottesliebe und Nächstenliebe
gelingt, ob wir also wirklich mit ganzem Herzen Gott lieben und dies auch in unserem Leben zum Ausdruck bringen und ob wir ebenso von ganzem Herzen unsere Mitmenschen lieben und auch diese Liebe leibhaft werden lassen. Wir Christen und unsere Kirche müssen uns fragen lassen, ob in unserem Leben und in unseren Einrichtungen wirklich Gott die Mitte ist oder ob wir ihn nicht doch mehr und mehr an den Rand gerückt haben, so dass andere Dinge in unserem Leben uns wichtiger geworden sind und uns mehr beschäftigen. Was aber zur Mitte meines Lebens wird, das wird dann gewissermaßen zu einem Götzen, den ich anstelle
Gottes verehre, mag es meine Bequemlichkeit oder mein Reichtum sein, meine Sorgen oder meine Gleichgültigkeit.
So mag uns die Mariensäule mahnend fragen, ob die Verbindung von Gottes- und Nächstenliebe, die am Anfang der Geschichte dieses Heiligtums steht, auch heute in unserem Alltagsleben als Gemeinde und in unserem persönlichen Leben gesucht und verwirklicht 
wird.
Diese Fragen sollten wir mitnehmen; wir können sie auch nachher auf den Weg zur Mariensäule mitnehmen und sie unterwegs bedenken. Wir sollten darüber das
Gespräch mit unserem Herrn suchen und ihn um Vergebung bitten, wo wir unseren Dienst schuldig geblieben sind.
Wir können Maria um ihre Fürsprache und ihren Beistand bitten, damit sie uns hilft zu verwirklichen, was sie uns vorgelebt hat. So mag sich nun noch einmal der Blick auf die Gottesmutter wenden, deren Geburtsfest wir feiern. Von Maria, der Mutter der Glaubenden, ist uns das Magnifikat überliefert, das wir nachher an der Mariensäule
beten werden. In diesem Lobpreislied wird deutlich, worum es geht; es ist ein Lied. das zum Maßstab christlichen Lebens werden kann. Zuerst wird Gott geehrt und gepriesen: "Meine Seele preist die Größe des Herrn, und mein Geist jubelt über Gott meinem Retter".

Am Anfang also steht der Lobpreis, der Ausdruck der Dankbarkeit und Liebe zu Gott. Dann aber wendet sich der Blick deutlich
auf die Menschen und ihre Not. Maria preist den Gott, der die Niedrigen erhöht hat und sich der Armen angenommen hat; der die Stolzen und Mächtigen vom Thron stürzt und die Demütigen und Armen erhöht; er ist der Gott, der die Satten und Reichen leer ausgehen lässt und den Hungrigen zu essen gibt. In Jesus Christus hat Gott die Ärmsten als seine Freunde angenommen und uns den Auftrag gegeben, dies in der Nachfolge unseres Herren eben so zu halten. So gibt uns das Preislied Mariens Wegweisung und guten Rat für unser Leben.
Am heutigen Tag verbinden sich diese Überlegungen und die Feier dieses Gottesdienstes mit der Vorbereitung auf das Sakrament der Firmung, das wir am Sonntag feiern werden. Wir wollen Gottes Geist und Kraft dann nicht nur auf die Firmbewerber herabrufen, sondern auf uns alle, damit uns in der Kraft Gottes neu der Hut und die Bereitschaft geschenkt werden, den Grundauftrag unseres christlichen Lebens zu verwirklichen, nämlich die Liebe zu Gott und die Liebe zu den Menschen.
So wollen wir nun im Anschluss an den Gottesdienst zur Mariensäule gehen und versuchen, auf diesem Weg den Weg unseres Lebens auf das hin auszurichten, was unsere Vorfahren übermittelt haben. Wir wollen neu lernen. in wahrer Liebe zu Gott und in wahrer Liebe
zu den Mitmenschen unser Leben nach der Weisung des Herrn auszurichten. Das möge uns Maria durch ihre Fürsprache erbitten. Zugleich wollen wir sie aber auch um ihren Beistand bitten für diese ganze Gemeinde und Gottes Segen herabrufen, auch auf die Weinberge, durch die wir jetzt gehen werden. Sie stellen uns vor Augen, was alles uns von Gott geschenkt wird, damit wir davon leben können. Und so rufen wir schließlich den Segen Gottes auf uns, auf
diese Gemeinde und auf dieses unser Land herab.

Ansprache an der Mariensäule

Liebe Schwestern und Brüder,

hier oben möchte ich nicht mehr viele Worte machen, denn wir haben schon während des Gottesdienstes bedacht, was uns bewegt und was uns dieser heutige Tag sagt. Wohl aber möchte ich die Gelegenheit nützen, ihnen zu danken dafür, dass Sie den Weg zur Mariensäule mitgegangen sind. Das Mitgehen und das Mitfeiern selbst ist schon ein Zeichen des Glaubens und ein Zeugnis dafür, dass uns das Erbe unserer Vorfahren, das uns durch die Jahrhunderte überliefert worden ist, kostbar und wertvoll ist, so wertvoll dass wir uns darum bemühen, es auch in die nächste Generation weiterzugeben. Ich möchte aber auch gern all denen danken, die sich in besonderer Weise um die Wiederherstellung dieses Denkmals des Glaubens bemüht haben, und uns so seine Geschichte gegenwärtig halten. Ich danke allen, die diesen Platz und die Saule wieder hergestellt haben, Auch dies ist ein Zeichen des Glaubens, denn anderenfalls hätten sie sich nicht dieser Mühe unterzogen. Es genügt aber nicht, in Dankbarkeit zu übernehmen und zu bewahren, was vor uns andere glaubende
Menschen getan und uns überliefert haben. Wir sind gefragt, in welcher Weise w i r die Antwort des Glaubens in unserer heutigen Zeit geben sollen. So möchte ich Sie herzlich darum bitten, auch in der kommenden Zeit, Zeichen des Glaubens zu suchen. Dies könnte darin bestehen zu gegebenen Anlass immer wieder einmal den Weg hier herauf zu machen und unterwegs den Weg des Glaubens, den Weg des Lebens zu bedenken und zu erfahren. 
Ich möchte Sie auch darum bitten, insbesondere die Verantwortlichen in Pfarrgemeinderat, zu überlegen wie das Erbe der Stiftung des Hospitals in unserer heutigen Zeit sinnvoll und richtig weitergeführt werden soll. Die Frage heißt, wer denn die Armen unserer Zeit sind, denen im Auftrag des Herrn unsere besondere Liebe und Sorge gebührt. Gewiss sind es andere als vor 650 Jahren, andere auch als vor 75 Jahren, als die Mariensäule errichtet wurde. Damals, zu Beginn des ersten Weltkrieges, war dieses Zeichen des Glaubens in schwerer Zeit Trost und Hilfe um durch die bitteren, harten Jahre des Krieges hindurchzukommen. Heute sind es andere Fragen. die uns bedrängen. Es sind aber nicht minder harte und scharfe

Fragen. Vorhin haben wir davon gesprochen. ob es uns wohl gelingen wird den Glauben in die nächste Generation weiterzutragen. Ebenso müssen wir uns danach fragen. ob wir die wahre Not menschlichen Lebens in unserer Zeit erkannt und darauf schon die rechte Antwort gefunden haben. Diese Not liegt heute nicht mehr so sehr in Äußeren, so sehr auch äußere Not in anderen Ländern der Welt nach wie vor brennend und zum Himmel schreiend da ist. Hierzulande aber ist es viel mehr die innere, geistige und
geistliche Not die innere Orientierungslosigkeit, Ratlosigkeit und Mutlosigkeit, die viele Menschen, mit denen wir
leben. krank macht und an Leben verzweifeln lässt. Darauf haben wir Christen eine Antwort zu geben. Wir sind unseren Mitmenschen die Antwort der Hoffnung schuldig, die aus unserem Glauben kommt und uns durch die Jahrhunderte hindurch von Generation zu

Generation überliefert worden ist. Wenn wir uns heute fragen, worin denn der persönliche Dienst der Nächstenliebe bestehen mag, dann gewiss nicht zuletzt darin dass wir uns einander zuwenden, einander im Glauben bestärken und für einander die rechten Worte zur Ermutigung und Hilfe suchen.
Die Hilfe wird umso dringlicher in einer Zeit, in der viele Menschen den Glauben nicht mehr leben, ja ihn gar nicht mehr kennen. Ich bitte Sie darum, diesen Auftrag aufzunehmen und
nach Formen und Möglichkeiten zu suchen, wie er in unserer Zeit verwirklicht werden kann. Wo immer Menschen zusammenkommen und miteinander den Herrn fragen: Was willst du von uns? Was sollen wir heute tun? dort werden sich
Antworten einstellen. Wir werden ein Gespür dafür entwickeln, was im Sinne Gottes das Rechte ist. Und ich bin sicher, dass die
Mutter Gottes, die wir heute feiern, auch uns heute den guten Rat gibt: Was er euch sagt, das tut!"
Richtet euch nach dem Evangelium. Richtet euch nach dem was wir gerade im Gesang des Chores gehört haben, nach den Seligpreisungen, in denen uns der Herr den Weg des Lebens lehrt und uns selbst vorausgegangen ist. 
Und so danke ich Ihnen für diesen Abend und wünsche Ihnen, dass dieses Zeugnis des Glaubens Ihnen in Erinnerung bleibt und durch die kommende Zeit und die kommenden Jahre zu einem Gedächtnis wird, das Sie alle und alle, die mit Ihnen leben, im Glauben stärkt.
So wollen wir uns jetzt im Gebet der Mutter Gottes zuwenden und in der Lauretanischen Litanei ihren Glaubensweg preisen in den schönen Worten, die uns die ganze Geschichte Israels noch einmal gegenwärtig werden lassen. Wir dürfen in Maria die geheimnisvolle
Rose erkennen, den starken Turm Davids, das goldene Haus und die Bundeslade, in der der neue Bund Jesus Christus, lebt.

von Dr. Franziskus Eisenbach am Feste Maria Geburt


zurück
--------------------------------------------------------------------
 



 Predigt am Fronleichnamsfest 19.06.03
Mach es wie Gott - werde Mensch

Liebe Kinder, liebe Schwestern und Brüder,
wenn wir heute das Fronleichnamsfest feiern, so schließt sich zumindest gedanklich ein wichtiger Kreis der christlichen Feste, auf denen unser ganzer Glaube aufruht :
Ostern mit der Auferstehung, Pfingsten mit der Aussendung des Geistes fünfzig Tage später und heute zehn Tage nach Pfingsten Fronleichnam.
In diesem Fest wird alles, was in unserem Glauben wichtig ist und Bedeutung hat, kenntlich:
Gott sendet seinen Sohn in diese Welt. Er wird Mensch in Bethlehem. Er kommt dort zu den Kleinsten, zu den Armen, zu den Schwachen. Diese Zusage, bei den Schwachen, den Armen, den Leidenden zu sein, hält der Gottessohn durch bis in den Tod hinein am Karfreitag und darüber hinaus nach Ostern hin.
Ostern bedeutet den Zuspruch Gottes an uns Menschen: "Mensch, Du lebst weiter! Über den Tod hinaus wirst du erhalten."
Damit wir Menschen diesen Weg nicht alleine gehen müssen, sendet Gott seinen Geist in diese Welt, damit uns durch die Zeit und
auf allen unseren Wegen seine Begleitung sicher gestellt ist.
Gott will mit uns sein, und dies wird auch an jedem Sonntag deutlich, wenn wir miteinander Eucharistie feiern. Gott ist gegenwärtig, will gegenwärtig sein in der Brotgestalt, die sich uns mitteilt. In der Brotgestalt! Es gibt die absolute Zuwendung Gottes hin zu uns Menschen, in dem er sich aufteilt unter uns. Das ist das absolut einmalige unseres Glaubens und unserer christlichen Religion.
Unser Gott tritt nicht auf wie ein Stier oder ein goldenes Kalb, um das man tanzen muss. Gott tritt nicht auf wie ein Donar oder ein Zeus mit einem Hammer, nein, er tritt auf in einer Brotgestalt und teilt damit mit: "Mensch, ich teile mich auf unter euch.
Und ich will - und dies ist der Auftrag unseres Lebens -, dass auch ihr euch aufteilt, euch einsetzt für- und untereinander."
Hiermit ist der absolute Auftrag auch an uns Menschen verbunden, dass wir nicht nur individualpflichtig, sondern auch sozialpflichtig sind. Wir Menschen sind füreinander da. Wir müssen das Leben miteinander teilen, wie Gott und Jesus versucht haben, und es immer wieder tut, sein Leben mit uns aufzuteilen.
In diesem Sinne des Miteinander-Leben-Teilens lassen Sie uns heute miteinander auf den Weg begeben durch unsere Gemeinde, durch unseren Ort, vorbei an unseren Häusern, an unseren Feldern. Und lassen Sie uns danach in diesem Bewusstsein dessen, dass wir miteinander Leben teilen, miteinander Pfarrfest halten, denn es ist klar - das sagt uns das Fest heute -, wir sind untereinander
und mit ihm in einem Bund.
Und so heißt das Thema und der Zuruf Gottes für diesen Tag: "Mach es wie Gott - werde Mensch." Amen.

von Diakon Georg Diederich

zurück
--------------------------------------------------------------------

 

Predigt aus Anlass des 50jährigen Priesterjubiläums von Msgr. Karlheinz Beichert,
in Dittelsheim-Heßloch, am 1. Fastensonntag, 28. Februar 2004

Versuchung und Entscheidung
Traditionsgemäß gehört dieses Evangelium an den Beginn der Fastenzeit, denn es legt die Fragen frei, die sich uns Menschen stellen. Es sind auch die Fragen, die wir im Leben von Herrn Pfarrer Karlheinz Beichert wiederfinden, mit dem wir heute dieses Jubiläum feiern.
Fragen seines Priesterlebens in den vergangenen 50 Jahren:
Die erste Frage lautet: "Wer bist Du. Hast du nicht die Macht, Dir alles Brot zu besorgen, das Du brauchst?"
Die zweite Frage: "Wo lebst Du? Kennst Du die Gesetze der Welt, in der Du lebst, und solltest Du nicht in ihr versuchen, alle Macht zu bekommen, die Du kriegen kannst?"
Und schließlich die dritte Frage: "Wer ist Gott? Wenn Du wirklich auf ihn vertrauen willst, sollte er Dir dann nicht beweisen, dass er Deines Vertrauens würdig ist?"
Es sind die Fragen der Versuchung Jesu. Sie sind Auseinandersetzungen unseres Lebens. Sie gehören zu jeder Personwerdung dazu: die Frage nach mir selbst, nach der Welt, in der ich lebe, und nach Gott.
Fragen wir Herrn Pfarrer Beichert, wie das war, als er seine Lebensentscheidung getroffen hat, Priester zu werden, und fragen Sie sich selbst, wie es bei Ihnen war, als Sie in ihrem Leben wichtige Entscheidungen zu treffen hatten: die Entscheidung für eine Ehe zum Beispiel, für eine Freundschaft, für einen bestimmten Berufsweg.
In einer solchen Situation kann ich mich ganz und gar einsam fühlen, wie im Stich gelassen. Da kann Panik aufkommen und die Angst, den Weg nicht zu finden, liegen zu bleiben, zu scheitern. Eine grundsätzliche Entscheidung ist immer eine Wüstenerfahrung, und die Angst in ihr ist verständlich, denn in der Wüste gibt es genug Zeugnisse von Abbruch und Scheitern.
Es gibt aber auch die Wüste des Alltags, indem meine Treue auf die Probe gestellt wird, in der Eintönigkeit des Auf und Ab, in den vielen Kleinigkeiten, die mich manchmal in Spannung halten oder außer Atem bringen, die mir so über den Kopf wachsen können, dass ich keinen Durchblick und keine klare Linie mehr sehe.
Wenn sich in den ersten christlichen Jahrhunderten Mönche in der Wüste begegneten - es lebten dort viele sog. Wüstenväter - dann fragten sie sich als erstes: "Wo kämpfst Du?". Die Frage zielt auf die Notwendigkeit, sich der Einsamkeit zu stellen, Scheitern zuzulassen, Zweifel nicht zu verdrängen, Schwierigkeiten nicht aus dem Weg zu gehen. Auch da können wir den Jubilar zurückfragen: "Wo waren Deine besonderen Kämpfe in Deinem Leben? Wo bist Du auch bis an einen Abgrund geführt worden, und was ist dann geschehen?"
Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich sagen, wenn ich in meinem Leben bis auf den Grund gefragt worden bin, dann ist Offenbarung geschehen. Meister Eckhart, einer unserer großen Mystiker, fasst eine solche Offenbarung einmal in folgendes Bild: "Wäre ich allein in einer Wüste, wo es mich grauste, hätte ich da ein Kind bei mir, so verginge mir das Grausen, und ich würde gekräftigt. So edel und lustvoll und so kräftig ist das Leben in sich selbst." Darum geht es im Letzten, dass wir unser Leben in seiner Tiefe und Fülle finden.
Wenn Menschen aber in dieser Suche nach Leben und Sinn in dieser Wüstenerfahrung sind, dann bedürfen sie zuverlässiger Wegweisung.
In diesem Sinn werden heute viele Menschen dankbar an Herrn Pfarrer Beichert denken, an die Jahre seines priesterlichen Wirkens, an die Wegbegleitung und Wegweisung, durch die er Vielen ein Halt zum Leben wurde. Er war nie Nachlassverwalter der Vergangenheit, sondern Wegbereiter der Zukunft. Mir ist dies immer deutlich in der Art und Weise, wie er einen Zugang zu jungen Menschen gefunden hat, so dass sie ihn bis in seine hohen Jahre hinein immer wieder eingeladen haben, ihre Firmfreizeiten z. B. zu begleiten. Denn es war gut, ihn dabei zu haben, ihn, der sich nicht aufdrängte, aber der da war, wenn die Fragen sich stellten, wenn Menschen nach Antwort suchten und einen Halt brauchten.
Es ist Pfarrer Beichert anzumerken, dass die Jahre ihn geprägt haben und dass es auch eine Last des Alters gibt. Aber es ist ihm
auch anzumerken, dass er nach wie vor so etwas wie eine Aufbruchstimmung hat, eine Stimmung, die nicht vom Lebensalter
abhängt, vielmehr von dem festen Glauben, dass die Zukunft Gottes im Kommen ist, und dass wir auf unserem Weg ihm entgegengehen, denn wir sind Wegbereiter einer Zukunft, die wir nicht machen können, die aber deswegen kommen wird, weil Christus kommen wird.
Mit den Augen unserer Zuversicht schauen wir also auf den kommenden Herrn, aber weil wir diese Augen des Glaubens haben dürfen, die der Geist Gottes bewirkt, dürfen wir auch den nüchternen Blick zulassen, mit dem wir uns nichts vormachen angesichts einer schwierigen kirchlichen Situation, in der wir manchmal den Eindruck haben, als ob der Glaube geradezu verdunsten würde. Und dennoch erlaubt uns niemand, einfach statistisch auszurechnen, wann wir auf dem Nullpunkt sein werden. Es geht nicht um ausrechenbare Verzweiflungen, genau so wenig wie um realitätsferne Hoffnungen, sondern darum, die Hoffnung allein an Christus
zu entzünden und allein nach ihm auszuschauen. Es geht um das, was wir mit dem Wort Gottesfurcht bezeichnen, d. h. eine unbegreifliche Liebe zu einem unbegreiflich großen Gott. Wir dürfen wie die Vögel des Himmels vertrauen, aber dies dürfen wir nur in der Entschiedenheit für Gott, denn das ist an einer Gestalt wie der des Jubilars heute ablesbar. Die Entscheidung für Gott ist die entscheidende Sache unseres Lebens und unserer Welt überhaupt.
Wir tragen eine Verantwortung dafür, dass der Glaube weitergehen kann. Wir können nicht leben, indem wir sagen: "Wenn Christus kommt, dann werden wir schon sehen, er wird schon irgendwie kommen". Nein, wir treffen Vorsorge in einem lebendigen Glauben, um ihm, dem Herrn, in Liebe zu begegnen. Christus schaut uns schon jetzt ins Gesicht. In jedem Bruder, in jeder Schwester tut er das. Und wenn wir ihm einmal endgültig begegnen, dann will er in unserem Gesicht sein Antlitz, sein Herz, seine Liebe finden, denn
er hat uns alles gegeben, die Fülle seines Lebens und seiner Liebe bis in den Tod hinein.
Es ist die Geschichte einer Liebe, wenn wir diesen denkwürdigen Tag feiern, der Liebe zwischen Christus und seinem Priester Karlheinz Beichert, der Tag für Tag mit seinen Möglichkeiten und seinen Mitteln uns die Weite der Liebe Christi verkündet hat und der von seiner Priesterweihe an bis heute und von heute an bis zum letzten Augenblick seines Lebens ein Diener der Herrlichkeit Christi unter uns ist, die sich am dichtesten in der Eucharistie zeigt, denn dort sagt Christus in der Gestalt des Priesters in einer besonderen Weise: "Kommt, nehmt teil an meinem Reich, nehmt teil an meinem Mahl, nehmt teil an meiner Zukunft.
Und wir sagen Amen, d. h. wir lassen uns erreichen und einladen, und wir sagen Danke an Karlheinz Beichert für diesen Dienst
Jesu Christi unter uns.

von Weihbischof Dr. Werner Guballa

zurück

 

 

Ansprache von Generalvikar Giebelmann am 29. Februar 2008 anlässlich des Requiems
für Msgr. Pfarrer Beichert


Liebe Mitbrüder im geistlichen Amt,
liebe Angehörige von Pfarrer Beichert,
liebe Gemeinde,

anlässlich des Requiems und der Beisetzung von Monsignore Pfarrer Karlheinz Beichert darf ich Ihnen das herzliche Beileid und das Mitgefühl unseres Bischofs, Karl Kardinal Lehmann, überbringen.

„Manchmal, so sagte einmal Karlheinz Beichert, hat man mir das zum Vorwurf gemacht: Ich würde alles zu optimistisch sehen.“ Doch dies war sein Leitsatz. In jedem Ende steckt ein neuer Anfang, man muss nur den Faden finden, damit es weitergeht. Doch gerade dieses Prinzip, in der Dunkelheit noch Licht und in der Asche nach Funken zu sehen und im Winter den Frühling zu spüren, hat Karlheinz Beichert für sich ganz persönlich überleben lassen und ihm die Kraft gegeben, anderen Trost zu schenken.

Es war kein naiver Traum, es war Gottvertrauen, das ihn befähigte an eine gute Zukunft zu glauben. Und dieses Gottvertrauen hat ihn dazu geführt Priester zu werden.

Karlheinz Beichert, Jahrgang 1919, der gleich nach dem Abitur und dem Arbeitsdienst zur Wehrmacht eingerufen wurde und der den Krieg bis zum Ende erlebt, der anschließend in Gefangenschaft geriet, der als ganz junger Mensch unsagbares Leid erfuhr, der erlebte, wie Gleichaltrige oder Gleichjunge starben, in Schützengräben verendeten, der Verletze versuchte zu bergen, der mit der Absicht in den Krieg gezogen war, anschließend Jura zu studieren.

Er kam als Seminarist aus der Kriegsgefangenschaft zurück, er ging ins Priesterseminar, weil er der festen Überzeugung war, dass nur der Glaube an den einen Gott, der alle Menschen als Brüder und Schwestern zusammenführt, fernab jeder Ideologie, der Welt Heil geben und die Wunden heilen und die Völker versöhnen kann.

„Ich wollte zeigen, dass sich selbst aus dem Negativen, selbst aus den Ruinen noch etwas Gutes gestalten lässt“, waren seine Worte. Wer Karlheinz Beichert verstehen wollte und will, muss ganz weit hinuntersteigen. Irgendwann findet er seinen Vater, den Küfermeister, und die Gastwirtschaft in Dorn-Dürkheim. Wir sehen Karlheinz Beichert mitten unter den lachenden Menschen und die hier erfahrene Freude musste einfach ansteckend sein.

Nach der Priesterweihe im Mainzer Dom am 27. Februar 1954 und vier Kaplansjahren in Weisenau und Kastel wurde er Pfarrer in St. Georg in Rüsselsheim. Es war die Zeit, als der damalige Kaplan Klaus von Landenberg, als die Pfarrer Tölg und Kalteyer sich gemeinsam mit Karlheinz Beichert aufmachten, eine expandierende und aufstrebende Industriestadt für die Kath. Kirche zu erschließen und neue pastorale Strukturen miteinander aufzubauen.

Es entstanden zu dieser Zeit in Rüsselsheim neue Stadtteile mit heute neuen sozialen Problemen, es entstand eine blühende Autoindustrie mit heute neuer Zerbrechlichkeit, Fremde kamen auf der Suche nach Arbeit, ausländische Gemeinden entstanden, die Betriebsseelsorge erwuchs – und alle diese Aufgaben bestehen fort und sind an die Nachfolger mit hoher Anforderung weitergegeben worden.

Kontakte zu französischen Arbeitspriestern gaben die Anregung für eine Priestergemeinschaft auf örtlicher Ebene, die für Karlheinz Beichert wichtig war, und seine Freude an dem Prado hat ihn bis zum Tod begleitet.

25 Jahre war Karlheinz Beichert Dekan des Dekanates Rüsselsheim, immer wieder gewählt, alle wussten, er half die Gemeinden zusammen zuführen, genauso wie er Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in seiner freundlichen Beständigkeit zusammenführte.

Er war Sekretär und Sprecher der Dekanekonferenz, er war Mitglied im Priesterrat, in der Diözesanversammlung, im Pastoralrat – sein Wort hatte Gewicht, seine Meinung hatte Geltung.

Im Jahre 1995 wurde er mit 75 Jahren als Pfarrer in Rüsselsheim, St. Georg verabschiedet. Damals hieß es auf der Einladung zu seiner Verabschiedung:
„Fange nie an aufzuhören, höre nie auf anzufangen.“
Hier im Pfarrhaus in Dittelsheim-Heßloch kehrte er in seine Wurzeln zurück, Frau Fischer, seine Haushälterin, hat ihn mit großer Sorge begleitet, auch ihr sei ein herzlicher Dank gesagt.

„Höre nie auf anzufangen“ so hieß es, oder kehren wir zum Anfang zurück: „In jedem Ende steckt ein neuer Anfang“
Msgr. Pfarrer Karlheinz Beichert, Monsignore war er inzwischen durch die Ehrung von Papst Johannes Paul II. geworden,
genauso wie Träger des Bundesverdienstkreuzes und Ehrenbürger dieser Stadt. War im Ruhestand nicht im Ruhestand,
er war gar nicht zur Ruhe zu bewegen. Er half mit in der Seelsorge dieser Gemeinde, in den Gottesdiensten,
in der Katechese und in der Seelsorge für die Menschen. Er konnte und wollte sich nicht schonen, er musste sich verausgaben.
An Weihnachten hat er, weil er es so wollte, noch zweimal zelebriert, dann waren seine Kräfte erschöpft
und es begann die Phase des Sterbens.

Es gab einen Lieblingspsalm, der ihn begleitet hat und den er in der letzten Stunde vor seinem Tod gebetet hat:
Wir können es nur ahnen, wie oft Karlheinz Beichert in seinem Leben als Priester gebetet hat:
 „Deinen Tod o Herr verkünden wir und deine Auferstehung preisen wir bis du kommst in Ewigkeit“.

Wir können es nur ahnen, wie viele Menschen er in den Tod hinein begleitet hat, und wir wissen, wie sehr er Seelsorger mit
Leib und Seele war. Notfallseelsorger, Begleiter in den Tod hinein. Zum Sterbenden gerufen zu werden war für ihn die wichtigste priesterliche Aufgabe. Hier erfuhr er selbst in aller Verausgabung Kraft, und so musste er es annehmen wie seine Kräfte schwanden und wie er das Leben loslassen musste.

Ein ganz herzlicher Dank gilt allen, die ihm dabei geholfen haben, besonders den Schwestern der Bruder-Konrad Hilfe in Mainz.

„Du Herr gabst mir das Erbe und reichst mir den Becher, du hältst mein Los in deinen Händen. Auf schönem Land fiel mir mein Anteil zu, das Land ist ihm verheißen, das Paradies ihm geschenkt, dies ist unser Glaube.“

von Generalvikar Giebelmann


zurück
-----------------------------------------------------------------

 

Predigt am St. Sebastianusfest 2010 von Pater Ludger Fortmann Prior des Dominikanerklosters in Worms

Liebe Schwestern und Brüder, was kümmert uns unser Geschwätz von gestern? - so sagen wir schnell. Was kümmert es uns, was Generationen vor uns sagten, versprachen oder für wichtig hielten? Geschwätz von gestern! Wir leben im Heute, in den Realitäten unserer Zeit, in den Herausforderungen unserer Tage - da kann man doch nicht laufend zurück schauen!
Und in der Tat: zunächst kann einem die Feier des Gelobten Tages heute am Sebastian-Fest ja auch etwas unzeitgemäß, etwas unpassend vorkommen.
Der Anlass ist schließlich fast 350 Jahre her, die damals so gefürchtete Krankheit, die Pest, bedrängt uns heute nicht mehr, die betroffenen Menschen von damals sind uns heute nicht einmal mehr vom Namen bekannt.
Also: Was kümmert uns das Versprechen von damals, wir leben heute!
Da gibt es doch genügend Sorgen und Lasten, die es zu tragen gilt.
Und sogar Jesus scheint uns im Evangelium dabei Recht zu geben: Sorgt euch nicht so sehr, jeder Tag hat genug eigene Plage. Sicher: Er schaut dabei nach vorne, auf den morgigen Tag - um so mehr gilt es doch wohl für die Rückschau in die Geschichte.
Sorgt euch nicht darum. Lebt im heute - da geschieht genug, was drängt.
Liebe Schwestern und Brüder, so reden die Pragmatiker, die Rechner, die Kalkulierer. Bei denen geht es um messbare Erfolge,
um das Machbare, um die Geschäftsbilanz. Es geht um die Frage: Lohnt sich der Aufwand?
Jesus geht es aber um etwas ganz anderes: Es geht ihm um eine Lebenshaltung des Menschen! Das Thema, das Jesus in seiner Rede anschlägt und dem er nachgeht, ist die Frage, was unabhängig vom täglichen Alltagsgeschäft der tragende Grund meines Lebens ist.
Was gibt meinem Leben die letzte Tiefe, den letzten halt, wenn alles andere einmal weg bricht? Und er nennt die Alternativen: Geld - oder Gott? Trägt mich im letzten, in der Tiefe meines Herzens die Aussicht auf Gewinn, auf Ansehen, auf eine bessere Rendite -
oder aber Gott, der Allmächtige, der Schöpfer des Lebens.
Der Pragmatiker setzt auf das Geld, das kann man zählen, damit kann man wirtschaften, da hat man was zwischen den Fingern. Jesus nun wirbt darum, sein Leben Gott anzuvertrauen, denn, so zeigt er, Gott meint es gut mit einem. Dafür gibt es Beispiele: die Lilien, die Vögel des Himmels. Vertraut euch und euer Leben Gott an - er sorgt für euch mit allem, was wirklich nötig ist.
Er ist auch da, wenn Geld nicht mehr zählt.
Jesus meint damit nicht eine Art Schlaraffenland; wo einem, wenn man nur Gottes Namen anruft, die gebratenen Tauben in den Mund fliegen. Jeder Tag hat seine eigene Sorge - das sagt Jesus sehr deutlich. Und dazu gehört all das, was uns Sorge bereitet: hier bei uns die Sorge um den Arbeitsplatz, um die Gesundheit, um die Möglichkeit, die Familie und die Kinder gut ernähren und versorgen zu können, um die Umwelt.
All das sind Sorgen, die uns belasten, und die der Glaube an Gott auch nicht einfach abschaltet oder löst, sondern sehr ernst nimmt.
Mit diesen Sorgen kommen wir hier in die Kirche - so, wie Menschen seit zweihundert Jahren hierher in die Kirche kommen,
um vor Gott ihr Herz auszuschütten. Ich finde es immer wieder beeindruckend, sich das bewusst zu machen: wie viele Menschen haben hier, in diesem Raum schon gebetet? 
Wie viele Tränen wurden hier schon vergossen - aus Freude bei einer Taufe oder einer Trauung, aber auch aus Trauer, aus Wut,
aus Verzweiflung, aus Angst?
Wie viele Lebensgeschichten und Lebenssituationen haben hier in diesem Raum einen Ort gefunden. Sorgen und Mühen des Lebens, die diesen Ort zu einem heiligen Ort machen - heute wird uns das vielleicht bewusst, wo wir ja zurückschauen in die Geschichte.
Jesus also schaltet diese Alltagssorgen und Lebensmühen nicht einfach aus - das wäre ja lebensfremd. Aber er sagt: Bei all diesen Sorgen könnt ihr darauf vertrauen, dass Gott euch trägt und hält. Er weiß von euch - und das, worauf es wirklich ankommt, das gibt er euch, das könnt ihr eh nicht selber machen.
Was kümmert uns das Versprechen von vor 350 Jahren - ich glaube, dass es damals, in einer echten Notzeit, um eine solche Grundentscheidung ging: Wem vertrauen wir unser Leben an. Und die Menschen merkten: uns sind alle Möglichkeiten aus der Hand genommen. Wir können hier nicht handeln und verändern - gegen die Pest haben wir nichts in der Hand. Aber wir können uns Gott anvertrauen und deutlich machen: Auf Dich setzen wir. Du bist derjenige, der unsere Not zum Guten wenden kann.
Du bist derjenige, der uns trägt und hält.
Seit vielen, vielen Jahren erinnert diese Gelobte Tag in dieser Gemeinde daran: Wenn Dir alles aus den Händen genommen ist, wenn du nichts mehr machen kannst - dann erinnere dich daran, dass vor allem Handeln und allem Bemühen Gottes Sorge und Liebe steht. In diese könne wir uns hineinfallen
lassen. Und bei allem, was wir heute können, technisch oder medizinisch - Situationen, in denen wir uns ohnmächtig aus¬geliefert empfinden, gibt es doch zuhauf: Auch heute gibt es Krankheiten, die wir nicht beherrschen können, denen wir uns ausgeliefert fühlen und die uns den Boden unter den Füßen wegzuziehen scheinen. Das Alleinsein vieler Menschen; die Liebe und die gelungene Partnerschaft, nach der sich viele sehnen, aber die so selten zu gelingen scheint. Schließlich das Alter, der Lebensabend,
die Situation, sein Leben aus den Händen geben zu müssen.
In all diese Situationen hinein spricht der gelobte Tag die Einladung und Aufforderung: Vertraue darauf, dass Gott dich hält.
Bei aller Not deines Lebens: Gott schaut dich an, er liebt dich und trägt dich. Und von dieser Liebe Gottes, die er uns in Christus
bis in den Tod hinein gezeigt hat, kann uns, an dich niemand scheiden.

Der gelobte Tag heute - festlich begangen - ist also nicht nur ein nostalgischer Blick zurück. Er ist eine Erinnerung an uns heute, sein Leben in Gottes Hände zu legen - so wie das Generationen vor uns schon taten. In der schnelllebigen Zeit sind solche Erinnerungen, solche Erinnerungsorte und Erinnerungszeiten wichtig. Sie laden uns ein, innezuhalten, und zu fragen: Worauf setze ich meine Hoffnung? Woraus lebe ich? Was trägt mich?
Sich dieser Frage zu stellen - und damit sein Leben wieder neu zu festigen, neu zu verorten - dazu lädt der Gelobte Tag uns ein,
dazu lädt aber natürlich auch jedes Kirchengebäude ein. Es ist ein Fingerzeig zum Himmel, sich wirklich erinnern zu lassen:
Schau dir die Vögle des Himmels an. Sie ernten nicht, sie säen nicht, aber der himmlische Vater ernährt sie doch! Denn Gott liegt etwas an uns, ihm liegt etwas an Dir und mir. Vertrau dich ihm an - dann darfst du dich in den Sorgen deines Lebens gehalten und getragen wissen. Amen.

zurück
-----------------------------------------------------------------

 

 

Predigt aus Anlass des 200. Jahrestages in Heßloch am Sonntag, 2. Mai 2010
von Weihbischof Dr. Werner Guballa

Ich habe Euch zuerst geliebt – deswegen liebt einander, so wie ich es auch tue!

Gerne bin ich heute morgen hierher, in das mir von vielen Besuchen her, vertraute Heßloch gekommen.
Zunächst bringe ich die Grüße unseres Bischofs Karl Kardinal Lehmann mit.
Er hat sich sehr gefreut über die Einladung die sie ihm zukommen ließen. Er hat aber auch frühzeitig um Verständnis gebeten,
dass er dieses Fest und diesen Gottesdienst am heutigen Sonntag nicht mit ihnen feiern kann. Es werden eine Fülle von Anfragen
und Anforderungen an ihn gestellt, und er muss nach dem Maß seiner Möglichkeiten auch haushalten mit seinen Kräften zum einen, zum anderen auch schauen, dass er erst einmal dahin geht, wo er schon lange nicht war. Bei ihnen war er vor drei Jahren zur Altarweihe, so dass er sich sicher war, dass sie Verständnis haben werden, wenn er heute morgen an anderer Stelle im Bistum wirkt.

Es war für mich sehr bewegend zu verspüren, wie sehr sie an ihrer Kirche hängen. Dieses Mitgestalten am Gotteshaus, das Mitüberlegen wie der Gottesdienstraum aussehen soll, hat in dieser Gemeinde Tradition. Es ist nicht nur Ausdruck ihrer
Lebendigkeit aus jüngsten Tagen, als es um die letzte Renovierung und Gestaltung dieser Kirche ging, sondern es ist Zeugnis der Geschichte in Stein gebaut mit diesem Gotteshaus.
Als dieses am 16. September 1810 benediziert wurde, da konnte man schon damals nur mit bescheidenen Mitteln diese Kirche bauen, aber es war wichtig, dass die 10800 Gulden die bereit standen, deutlich machen konnten, wir haben wieder eine Kirche,
wir haben wieder ein Dach über dem Kopf, einen Ort wo Gott und Mensch sich begegnen können.

Die Zeitumstände, als diese Kirche gebaut werden konnte, waren mehr als widrig. Das früher so angesehene, reiche und mächtige Erzbistum Mainz war aufgelöst, die kirchlichen Güter waren eingezogen, Bischof Colmar, der erste Bischof nach den Erzbischöfen von Mainz, ging sozusagen am Bettelstab. Sie haben ihn jedoch als Gemeinde ermutigt, in dem sie mit dem was möglich war,
Kirche gebaut, das Gotteshaus aufgebaut und so Gemeinde gesammelt und aufgebaut haben.
Mit dem Weihetag feiern wir auch den Geburtstag der jetzigen Kirche. Wir wissen von den Vorgängerinnen, die urkundlich erwähnt sind, und kommen aber auf dem Weg der Geschichte zu der Erkenntnis, dass nicht für das Bauwerk allein diese Gemeinde dankt. Sie dankt vielmehr für ein Haus aus lebendigen Steinen, für Menschen aus der Geschichte dieser Gemeinde und für Menschen,
die in der Gegenwart das Leben von St. Jakobus und St. Sebastian prägen.

Wie viele sind in dieser Kirche im Laufe der letzten 200 Jahre getauft worden, sind hier zur Erstkommunion gegangen wurden hier gefirmt, haben sich im Sakrament der Ehe das Jawort gegeben, wie viele empfingen hier das Bußsakrament und feierten als Neupriester hier ihre Primiz, wie Karl-Heinz Beichert, Pater Franziskus Ruppert und Thomas Hoffäller.
Somit ist diese Kirche ein Ort an dem Heil geschieht, an dem Gott seine Heilszusage, dem Menschen nahe zu sein, ihnen auf ihrem Weg auch Stärkung und Kraft zukommen zu lassen, einlöst.
Die Kirche legt Zeugnis ab für Freude und Leid der Menschen. Haus Gottes unter den Mensche ist sie, Haus Gottes für die Menschen. Als sie vor 200 Jahren eingeweiht wurde, war sie ein Zeugnis des Glaubens nach innen und nach außen.
Nach einer Zeit großer politischer Wirren war es wichtig, dass die Menschen nicht nur recht und schlecht über die Runden kamen, sondern dass sie, gerade weil viele in einer großen materiellen Armut lebten, nicht auch noch geistig und geistlich verarmten. Daher war es wichtig, dass die Menschen eine geistliche Heimat hatten. Denn der Glaube braucht einen Ort, an dem der Urheber unseres Glaubens, der Heilige Geist, uns als Gemeinschaft der Glaubenden zusammenführt.
Die Kirche ist aber auch ein Zeugnis nach außen. Sie hat eine prägende Gestalt in der Gemeinde Heßloch. In jeder Eucharistiefeier heißt der Auftrag am Ende: „Geht Ihr seid gesendet!“ Das heißt: Geht und gebt Zeugnis von eurem Glauben, dort wo ihr lebt.
Das Zeugnis des Glaubens kann nicht in den vier Wänden einer Kirche bleiben; es muss nach außen getragen werden, muss hingetragen werden zu den Menschen, für die Christus das Evangelium, die „Frohe Botschaft“, das Wort vom Leben bestimmt hat.
Ein solches Zeugnis braucht auch Zeichen. Ein Kreuz gehört auf das Dach einer Kirche, und wenn auf den Fluren und in den Weinbergen ein Kreuz steht, dann erinnert es uns daran, dass Gott der Geber aller guten Gaben ist, und dass die größte Gabe sein eigener Sohn ist, einfach so, einfach aus Liebe.

„Liebt einander, so wie ich Euch geliebt habe!“
So haben wir gerade im Evangelium gehört. Ist das nicht auch eine Botschaft für unsere Welt und für das Zusammenleben in unserer Gesellschaft? Denn die Liebe von der Christus spricht, umfasst nicht nur die eigenen Glaubensgenossen, sondern umfasst einen jeden Menschen, wo immer er lebt, weil wir in ihm ein Ebenbild Gottes, den Bruder und die Schwester erkennen, die in Gott ihren Ursprung haben. Hass, Intoleranz und Gewalt erfahren wir in unserer Welt weiß Gott genug. Die blutigen Kriege sprechen eine deutliche Sprache.
Dass wir aber das Kreuz auch im öffentlichen Raum an seinem Platz lassen, weist auf die Grundlagen unserer Verfassung hin. Die Väter und Mütter unseres Grundgesetzes haben aus der leidvollen Erfahrung der Geschickte unseres Volkes mit Bedacht auf die christlichen Wurzeln unseres Gemeinwesens verwiesen.
Dass eine Kirche die mehr sein soll, als nur ein architektonisch bemerkenswertes Gebäude, ein gutes Fundament braucht ist klar.
Das eigentliche Fundament dieser Kirche ist der Glaube, der in der Gemeinde hier lebt und der getragen ist, durch das Zeugnis vieler Einzelner, auch durch das Engagement derer, die ehrenamtlich so vieles hier in der Gemeinde in Heßloch und in der ganzen Pfarrgruppe lebendig halten. Angefangen bei den Räten und bei vielen anderen Initiativen, Gruppen und Kreisen. Alle sind sie in den großen Dank dieses Gottesdienstes einbezogen.
Als diese Kirche gebaut wurde hat Gott gesagt: „Hier ist ein Haus, in dem ich für Euch zu Hause bin! Hier bin ich wie ein Freund unter Menschen, ein Freund, der ein Eckstein ist, auf dem das Leben sein Fundament legen kann! Der Eckstein bleibt unerschütterlich treu, auf ihn kann gebaut werden!“
Weil Christus hier an diesem Ort zu Hause ist, verkünden wir mit dieser Kirche Tag für Tag, dass kein Mensch der geboren wurde, einfach wieder ins Vergessen fallen wird. Nein, wenn wir aus der Kirche herauskommen, betreten wir den Kirchhof und bekennen mit dem Blick auf die, die dort beerdigt sind, dass nichts von ihrem Leben verloren geht was für die Ewigkeit bestimmt ist. Davon zeugt diese Kirche, die mehr ist als nur ein Werk von Menschenhand. Sie ist ein Fingerzeig Gottes mit seinem Turm und dieser Gott will, dass unser Leben gelingt und er verspricht, dass dieses Leben auch im Tod nicht scheitern wird.

An keinem Ort wird größeres verkündet als in dieser Kirche. Deswegen ist es gut, in einem Jubiläumsjahr nicht nur zurück zu blicken auf die letzten 200 Jahre und mit dem Blick der Wehmut zu sagen, dass früher alles besser gewesen sei, dann täten wir unseren Vorfahren unrecht. Nein, diese haben in die Zukunft geblickt, um uns den Glauben weiter zu geben und die gleiche Aufgabe haben wir auch. Wir dürfen unseren Kindern das Wertvollste nicht vorenthalten das es gibt, den Glauben nämlich der besagt, das Gott mitten unter uns ist, das sein Sohn uns Tag für Tag begleitet, das die Mutter Gottes, der Hl. Jakobus, der Hl. Sebastian, die Heiligen, Agnes, Barbara, Christina von Bolsena, Lucia, Ursula von Köln, Margarethe, Cäcilia, Katharina von Alexandrien, Dorothea, die
alle auf dem Altarbild in dieser Kirche abgebildet sind, zusammen mit einer unzählbaren Schar von Heiligen uns begleiten und unsere Fürsprecher sind.

Deswegen sagen wir heute Dank an Gott, der so wunderbar an uns handelt und an die Menschen. Wir danken allen, die mit uns leben, die hier Gemeinde aufbauen, die durch ihren Dienst in der Gemeinde, an welcher Stelle und welcher Art auch immer, einen Dienst am Leben der Menschen leisten im Namen und Auftrag dessen der gesagt hat:
„Ich habe Euch zuerst geliebt – deswegen liebt einander, so wie ich es auch tue!“

zurück
-----------------------------------------------------------------

 


Festpredigt zum „Gelobten Tag“ am 20.01.2011 in Hessloch, von Diakon Reinhold Lang

Liebe Pfarrgemeinde!
 Ich freue mich, diesen Festtag mit Ihnen zusammen feiern zu dürfen.
Herzlichen Dank, lieber Herr Pfarrer Roos, für die Einladung , die Festpredigt zu halten.

Der Heilige SEBASTIAN
Wie oft trifft man auf eine Statue oder ein Bild von ihm? 
Sebastian wurde und wird viel verehrt.
Um 1660 und 1670 beteten die Menschen während der Pestzeit in ihrer Not und Verzweiflung zum hl. Sebastian und gelobten,
jedes Jahr am 20. Januar zu seinen Ehren einen Festgottesdienst zu feiern.
Gott erhörte sie auf die Fürbitte des hl. Sebastian und ließ die Seuche zurückgehen.

Liebe Schwestern und Brüder:
Kann uns der hl. Sebastian auch heute noch etwas sagen?
Ist das Leben des hl. Sebastian, seine Weise Christ zu sein und christlich zu leben, für uns heute noch aktuell und relevant?
 Sie kennen alle, auf Grund der langen Tradition, seine Lebensgeschichte
In früher Jugend war Sebastian Christ, war Hauptmann der Prätorianergarde, der Leibgarde des Kaisers.
In Rom waren damals Korruption, Bestechlichkeit und Amtsmissbrauch an der Tagesordnung, nicht jedoch bei Sebastian. Das verschaffte ihm Respekt, ja Hochachtung.
Als Offizier hatte Sebastian freien Zutritt zu allen Gefängnissen.
Er nutzte dieses Privileg, um – wie wir heute sagen würden – seinen Mitchristen Hafterleichterung zu verschaffen und ihnen in den Gefängnissen Roms beizustehen. Er sprach ihnen Mut zu.
Außerdem überzeugte er römische Adlige durch seine Lebenshaltung, ebenfalls Christen zu werden.
Sebastian wurde – sozusagen wegen subversiver Tätigkeit gegen die Staatsgewalt – inhaftiert und zum Tod durch Erschießen verurteilt.
Christen, die ihn begraben wollten, stellten fest, dass er noch am Leben war , Sebastian wurde wieder gesund gepflegt. Sebastian war nicht nur nicht tot - er war auch nicht eingeschüchtert und auch nicht mundtot gemacht.
Als er sich erholt hatte, so erzählt die Legende, sei er dem erstaunten Kaiser entgegengetreten und hielt ihm Folter, Mord und all seine Grausamkeit offen und schonungslos vor. Kaiser Diokletian ließ seinen Kritikern totschlagen.

Liebe Schwestern und Brüder!
Wenn ich das Leben des hl. Sebastian so anschaue und auf mich wirken lasse, dann fallen wir einige ganz markante Dinge auf:
Ein Erstes: Sebastians Unbestechlichkeit und Zuverlässigkeit. Korruption machte er nicht mit.
Für Betrug und Fälschung war er nicht zu haben. Amtsmissbrauch gab es bei ihm nicht.
Merken Sie wie aktuell dieser Heilige ist?
Kann das Leben des hl. Sebastian uns in unserer Zeit, wo Schmiergelder und Betrügereien im Kleinen und im Großen an der Tagesordnung sind, nicht eine Mahnung sein, ein christlicher Maßstab und Korrektiv?
Kann es uns nicht Orientierung sein, wie wir ohne Falsch, ohne Tricks und ohne Gaunereien,
sondern mit sauberen Händen unseren Alltag anständig und lauter bewältigen können?

Ein Zweites:
Sebastian hat die Liebe geübt. Er hat Menschen im Gefängnis besucht und ihnen geholfen.
Er hat Güte gewagt und Notleidenden Barmherzigkeit erwiesen.
Für mich ist der hl. Sebastian vor allem ein Heiliger der Nächstenliebe. Sebastian hat ernst gemacht mit dem Wort Jesu:
„Ich war krank und ihr habt mich besucht. Ich war im Gefängnis und ihr seid zu mir gekommen...
Was ihr der geringsten meiner Brüder und Schwestern getan habt, das habt ihr mir getan.“
Ich denke, Gott wird uns genau das fragen: Wie hieltest Du es mit der Nächstenliebe.
Gefragt ist auch heute Liebe, die dem Menschen als Menschen begegnet, mitfühlend, tröstend, aufrichtend, rettend und heilend.
Gefragt ist Liebe als Gegenteil von purem Egoismus, Hartherzigkeit, Gleichgültigkeit, Habgier und Geiz.
Gefragt ist die Liebe des barmherzigen Samariters, eine Liebe, die hilft, wo Hilfe nötig ist.

Wenn Sie mich nach dem wichtigsten Werk der Barmherzigkeit heute fragen, dann würde ich sagen:
Zeithaben und Zuhören! Merken Sie, wie zeitgemäß und auch herausfordernd Sebastian bis heute für uns ist?
Sebastian versteckte seinen Glauben nicht.
Er gewann durch seine Art, mit Menschen, die in Not sind, umzugehen,
andere für den christlichen Glauben.
Mutig und unerschrocken trat er sogar dem Kaiser entgegen.

Verstecken wir unseren Glauben nicht allzu sehr im Privatbereich?
Warum treten wir nicht entschiedener als Christen auf
und geben Zeugnis von dem, was unsere Hoffnung ist?
Schauen wir jetzt nicht auf die Amtsträger und die Hauptberuflichen in der Kirche,
als könnten wir so uns die Herausforderung vom Leib halten.
Sebastian war ja nicht Diakon, Priester oder Bischof.
Er hatte einen ganz weltlichen Beruf.
Und trotzdem hat er durch sein Wort, besonders aber auch durch sein überzeugtes Christenleben andere auf den Glauben aufmerksam gemacht und zum Glauben hingeführt.

Ein Mitglied des PGR hat mir gesagt: Wir haben jetzt vier Fachleute in unserer Gemeinde.
Da muss ich nun widersprechen: Fachleute sind alle Christen, durch die Taufe dazu ermächtigt und befähigt,
den Glauben durch ihr Leben zu bezeugen.. Und wenn ich als „Neubürger“ erlebe, was die sog. Laien hier in der Pfarreiengemeinschaft so auf die Beine stellen...
Gott sucht auch heute Menschen, die von ihm sprechen und seine gute Botschaft weitersagen.

Gott braucht auch heute Menschen, die sich gesandt wissen,
Zeugen der Wahrheit und Boten der Liebe zu sein,
Salz der Erde und Licht der Welt.
So wie Sebastian.

Das Leben des hl. Sebastian hat nichts an Aktualität eingebüßt.
Heute sein Fest feiern, das heißt, sich berühren und durchdringen lassen vom des Evangeliums, von der Begeisterung für Jesus.
Heute das Fest des hl Sebastian feiern, das heißt, sich anstecken lassen von der Gesinnung, die in ihm war,
die Gesinnung der Barmherzigkeit und der Liebe.
Nicht nur reden von Solidarität, sondern tun der Solidarität!
Heute das Fest des hl. Sebastian feiern, das heißt, sich des Glaubens nicht schämen, sondern Mut haben, als Christ in der Öffentlichkeit seinen Mann und seine Frau zu stehen. Den Glauben bezeugen in Wort und Tat!
Gefragt sind Frauen und Männer in der Kirche, denen man – wie dem hl. Sebastian – anmerkt, dass sie erfüllt sind von Gottes Geist, erfüllt von Jesu Grundgebot: Liebe Deinen Nächsten wie dich selbst.
Gefragt sind Menschen, die Zeugnis geben von der Zuversicht, die sie trägt vom Vertrauen das sie prägt, von der Sehnsucht, die sie bewegt, von Gott, der zu uns steht und mit uns geht und der uns hält über den Tod hinaus.

Und so dürfen wir bitten: Sebastian, komm wieder! Komm wieder in Menschen, die gesinnt sind wie du, die handeln wie du,
die leben wie du! Komm zu uns! Sporne uns an, ermutige uns, beseele uns.
Hilf uns, nicht nur Christen zu heißen, sondern es wirklich zu sein.
(1030)
( nach Ideen von Pater Pius, Kloster Zell am Harmersbach )
 

zurück
-----------------------------------------------------------------

 

Festpredigt zum „Gelobten Tag“ am 20.01.2016 in Hessloch, von Pater Ralf Sagner OP (Dominikaner Worms)
 

Liebe Schwestern und Brüder,

der Heilige des heutigen Tages ist einer populärsten Gestalten der Heiligenschar, den die Kirche verehrt. Nachdem das
Erlöschen der Pestepidemie im Jahre 680 in Rom seiner Fürsprache zugesprochen wurde, wurde er dieser wichtigste
Heilige des christlichen Abendlandes.
Immer wieder flammte die Pest auf und kostete vielen Menschen das Leben. Diese Krankheit war eine Geißel,
die damals bis vor etwa 100 Jahren kein Mensch stoppen konnte.
Der Gelobte Tag, den wir hier in Dittelsheim-Hessloch in diesem Jahr feiern, entstammt einem Gelöbnis aus der Rettung
aus einer solchen Pestepidemie. Die Ohnmacht der Menschen damals macht diese Form der Danksagung verständlich
und wir haben heute Abend den Auftrag, das fortzusetzen.
Wir sagen heute also im Auftrag unserer Vorfahren Gott Dank für diese wunderbare Rettung aus einer schier
aussichtslosen Situation. Die Pest, die 1666 hier bis auf wenige Menschen diesen Landstrich entvölkerte liegt nun
350 Jahren zurück. Die Mittel, mit denen sich Menschen damals gegen diese todbringende Pest stemmten sind
solche rührenden Dinge wie Sebastianspfeile, die man bei sich trug und die vor unsichtbar anfliegender Krankheit
schützen sollten. Da Sebastian sein erstes Martyrium lebend überstand, vertrauten die Menschen auf ihren Schutz.
Inzwischen wurde die Dunkelheit, aus der solche Krankheiten die Menschen existenziell bedrohten erhellt.
Die Krankheit Pest stellt für uns heute keine tödliche Bedrohung mehr dar – Gott sei Dank.
Heute lächeln wir aufgeklärte Christen vielleicht ein wenig über die Naivität der Menschen damals.
Die Angst und die Ungewissheit unserer Vorfahren können wir aber heute immer noch gut nachvollziehen.
Wir sind immer noch dunklen Mächten ausgeliefert, gegen die wir bei bestem Willen kein Mittel kennen.
Wir stehen unheilbaren, tödlichen Krankheiten gegenüber, für die wir im Moment kein Kraut kennen: Krebs,
HIV / AIDS, Demenz etc. Stehen wir unheilbar tödlich erkrankten Menschen gegenüber, versagt uns nicht selten die Stimme.
In Anbetracht der Unerbittlichkeit versagen alle Argumente. Was tun wir aufgeklärte Menschen heute, wenn wir unsere
dumpfe Angst daraufhin spüren? Worauf richten wir unsere Hoffnung im Angesicht dieser Bedrohungen?
Und hier sollte uns die Stimme Jesu in den Sinn kommen, die uns der Evangelist Matthäus übermittelt:
„Fürchtet Euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können.“
Jesus meinte an dieser Stelle zwar Menschen, die uns an Leib und Leben gehen können.
Aber was macht es für einen Unterschied, wenn Menschen ohnmächtig Gefahren ausgeliefert sind, sei es Krankheit,
sei es Verfolgung und Krieg. Aus der göttlichen Liebe und Geborgenheit können wir nicht herausfallen.
Diese Gewissheit speist sich aus unserem Glauben, dass der menschgewordene Gott jeden Abgrund durchschritten hat,
den Menschen je durchschreiten können. Jesus ist keine Gefahr, kein Leid, keine Niedertracht fremd.
Er ist berührt worden, von all den Bedrohungen und von all unserem Leid.
Wir glauben an einen Gott, der sich ganz konkret uns zuwendet und unser sterbliches Leben teilt. Das mag unvoreingenommen merkwürdig klingen: Ein Gott, der sich als Mensch seiner Göttlichkeit entäußert und sogar sterblich wird. In der Tat wäre es widersinnig, ja sinnlos, das Vollkommene gegen das Unvollkommene zu tauschen.
Aber die eigentliche Großtat Gottes ist es, diese Unvollkommenheit, das Imperfekte, das Leid, ja sogar den Tod zu überwinden.
Seine Macht zeigt sich in diesem uns Menschen völlig unmöglichen Schritt. Gott agierte nicht aus einer Position der Stärke.
Er ist kein Manager, der die Puppen tanzen lässt. Er tat das aus der der Position der Unvollkommenheit und Schwäche heraus.
Das erfüllt uns mit der Hoffnung über die wir bereit sein sollen, Rede und Antwort zu stehen, denjenigen, die danach fragen,
wie Petrus das schreibt.
Diese Hoffnung ist Kraftquell. Sie war der Kraftquell des hl. Sebastian, der ihm ermöglichte, dem Kaiser gegenüberzutreten,
nachdem er von den Pfeilwunden genesen war. Er kannte durch diese Hoffnung keine Angst mehr, diese Ungerechtigkeit
und diesen Unglauben zu benennen und ihm entgegenzutreten. Neben dem Dank für diese Hoffnung ist der Mut
zu so etwas in der heutigen Zeit wünschenswert.
Das Licht der Aufklärung und Wissenschaft beleuchtet zwar viel, lässt aber auch viel Dunkelheit und Ohnmacht übrig.
Das erleben wir auf Schritt und Tritt, wenn wir uns umschauen und die ungelösten Fragen der Menschheit betrachten.
Die Dankbarkeit in dieser Ohnmacht und in dieser Dunkelheit die führende Hand Gottes spüren zu dürfen,
ist ein guter Gedanke für diesen Gottesdienst heute Abend und die Fortführung dieser schönen Tradition
des Gelobten Tages hier in unserem Ort.

Amen.

zurück
 

Festpredigt zum „Gelobten Tag“ am 20.01.2018 in Hessloch, von Pater Joachim Wernersbach
 
(Benediktiner Tholey)

Liebe Schwestern und Brüder,

Robert Spaemann, der kürzlich verstorbene Philosoph, der viel für die Kirche getan hat, schrieb: „Katholischer Glaube ist Wunderglaube.“ So ist es tatsächlich; es fällt uns Katholiken nicht besonders schwer, an Wunder zu glauben, weil wir von Kind an damit bekannt gemacht werden.
Wenn wir uns hier in der Kirche umschauen, dann gibt es so viele Hinweise auf Wunder, man kann nur ein paar herausgreifen,
um sie zu erwähnen.
Da ist zunächst der heilige Wendelin. Ich habe ihn deshalb als Beispiel ausgewählt, weil er eine Verbindung zwischen Tholey und Heßloch herstellt. Wir Mönche in der Benediktinerabtei glauben, der Heilige Wendelin war der erste Mönch unserer Abtei,
die ja die älteste Abtei auf deutschem Boden ist, zumindest was die Dokumente ergeben.
Der Name Wendelin findet sich in zahlreichen Straßennamen in unserer Gegend und die Kreisstadt St. Wendel trägt den Namen unseres Heiligen. In der dortigen Basilika ist er begraben und jedes Jahr während der Wallfahrtswoche wird der Sarkophag
geöffnet und die Pilger gehen an ihm vorüber, um ihre Bitten vorzutragen.
St. Wendel hatte ja eine besondere Beziehung zu den Tieren und man schreibt ihm Heilkräfte zu. Man kann sagen, in der ganzen Welt wird St. Wendelin verehrt, besonders da, wo Viehzucht oder Stallwirtschaft betrieben wurde. St. Wendelin wurde angerufen, um Maul- und Klauenseuche zu verhindern und Gott allein weiß, wie viel Unheil und Schaden er verhindert hat.

Der andere Heilige, der Tholey und Heßloch verbindet, ist der Heilige, den wir heute feiern und ehren: St. Sebastianus. In unserer Kirche steht eine lebensgrosse Figur des Heiligen Sebastian, mit den obligatorischen Pfeilen als Erkennungsmerkmal.
Üblicherweise werden die Märtyrer mit dem Instrument dargestellt, durch das sie den Tod gefunden hatten. Denken wir an Laurentius im Wormser Dom, der mit einem Grill dargestellt wird, den Heiligen Paulus bei den Dominikanern in Worms, der das Schwert in der Hand hält, mit dem er enthauptet wurde, oder die Heilige Luzia hier auf dem Bild mit dem Dolch am Hals.

Bei Sebastianus ist das etwas anders. Zwar wurde er tatsächlich mit Pfeilen beschossen, das ist gut dokumentiert, aber er starb
nicht an dieser Tortur. Man warf ihn in eine Kloake, doch eine Mit-Christin barg ihn und es gelang ihr, ihn gesund zu pflegen.
Nach seiner Genesung ging Sebastianus erneut zum Kaiser, seinen Glauben zu bezeugen, woraufhin der Kaiser so lange mit Knüppeln auf ihn einschlagen ließ, bis er tot war. Sankt Sebastian reiht sich somit ein in die Zahl der frühen Märtyrer, die bereit waren, für ihren Glauben, für Christus in den Tod zu gehen, obwohl sie eine gute Stellung am Hofe des Kaisers hatten oder in ehrbaren Diensten standen. Denken wir nur an den Heiligen Mauritius, Anführer der Leibgarde, der sich lieber mitsamt seinem
Heer enthaupten ließ als Mitchristen zu verfolgen.
Das alles können wir heute kaum noch nachvollziehen, denn wir sind in der Regel alle froh, wenn wir mit einem blauen Auge davonkommen. Und doch gibt es auch heute noch viele Menschen, die für ihren Glauben eintreten und dafür sogar bereit sind,
in den Tod zu gehen. Die Christen sind die am meisten verfolgte Religionsgemeinschaft der Welt und Repressalien aller Art sind an der Tagesordnung; nicht so sehr in unseren Breitengraden aber in anderen Teilen der Welt.

Was können wir heute also lernen von den Märtyrern, von den Heiligen, und ganz besonders von St. Sebastianus,
den wir heute extra feiern?
Unsere Vorfahren hatten etwas, das in der heutigen Zeit ein wenig verlorengegangen scheint. Sie glaubten an die Fürsprache der Heiligen und riefen sie an. Die Pest, die vor über 300 Jahren hier wütete, war verheerend und kein Haushalt blieb verschont.
Die Lage schien hoffnungslos und die Menschen waren verzweifelt.
Da besannen sie sich und beschlossen, zu einem Mittel zu greifen, das allein noch helfen konnte: die Anrufung eines Heiligen. Sie erkoren den Heiligen Sebastianus als Patron wider die Pest und riefen ihn an, „dass er als unser besonderer Patron bei dem allerhöchsten Gott für uns ein besonderer Fürsprecher sein – und uns unser liebs Vatterland von der leidigen Pest befreie und
fürohin durch seine Fürbitt gnädig bewahren wolle.“ So der Wortlaut in der Chronik.

Die Anrufung wurde erhört und die Pest klang ab. Man muss den Menschen damals zugutehalten, dass sie nun nicht einfach ihrer Arbeit wieder nachgingen, sondern sich dankbar an die Hilfe des Heiligen Sebastian erinnerten. Sie beschlossen,
einen Gelobten Tag zu Ehren des Heiligen Sebastianus zu begehen, 100 Jahre lang, was von den nachfolgenden
Generationen dann zweimal verlängert wurde.

Und genau das können wir von unseren Vorfahren lernen: der Glaube an ein Wunder, das geschehen kann, wenn man die Heiligen anruft. Viel zu selten wird das heute noch getan, aber wo es getan wird, da hört man immer wieder von Erhörungen.
Denken wir nur an den heiligen Antonius, ohne den viele Schlüssel nie mehr aufgetaucht wären.
„Wenn euer Glaube auch nur so groß ist wie ein Senfkorn, dann werdet ihr zu diesem Berg sagen: Rück von hier nach dort!, und er wird wegrücken. Nichts wird euch unmöglich sein.“ (Mt 17, 20). So die Worte unseres Herrn
Der Glaube kann Berge versetzen.

Das zweite, das wir von unseren Vorfahren lernen können, ist Dankbarkeit für erwiesene Gnaden. Allzu leicht nimmt man heute als selbstverständlich hin, wenn es uns gut geht. Immer jedoch haben wir Grund zur Dankbarkeit. Dankbarkeit macht bescheiden, weil man begreift, woher alles Gute kommt. Die Bescheidenheit wiederum festigt den Glauben, weil wir sehen: „Non nobis, Domine, non nobis, sed nomine tuo da gloriam“, wie es im Psalm 115 heißt, und der zu einem wahren Schlager wurde.
‚Nicht uns, o Herr, nicht uns, sondern Dir allein gebührt die Ehre.‘

„Fürchtet euch also nicht“, so die Worte im Evangelium. Vertrauen in Gott und das Bekenntnis zu Ihm öffnen die Tür zum Paradies, auch wenn es auf Erden manchmal äußerst schwer für uns ist. Die Heiligen haben es vorgelebt; sie sitzen nun beisammen und
genießen den Lohn ihrer Mühen in alle Ewigkeit. – Amen.
 

zurück

 

Gott will in uns wohnen (Allerseelen)

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn, liebe Kinder.

Sie sind eingeladen. Gespannt auf die Gastgeber. Sie haben sich eigens schön angezogen. Sie fahren vor dem Haus vor,
klingeln und treten ein. Sie wollen die Leute begrüßen, doch dann bleibt Ihnen das Wort im Hals stecken.
Die Zimmer sind völlig leer. Keine Stühle, Tische. Nicht irgend ein Möbelstück, noch nicht einmal eine Garderobe
wo sie Ihre Jacke aufhängen könnten.
Wie fühlen Sie sich wohl. Ein beklemmendes Gefühl. Sie glauben im falschen Film zu sein und verabschieden sich bald.
Ein leeres Haus ist unwohnlich und ungemütlich. Kein Stuhl auf dem ich zur Ruhe kommen kann. Kein Tisch an dem man bewirtet werden kann. Keine Bilder, die das Auge erfreuen.
(Wie sollte eine Wohnung sein, damit Gäste gerne kommen? Sich wohl fühlen?)
Das andere Extrem: ein einziges Durcheinander. Jeder Schritt muß wohlüberlegt sein, wenn auf dem Fußboden tausend Dinge herumliegen. Man bittet mich auf einem Stuhl Platz zu nehmen, aber ich traue mich nicht anzulehnen, weil über der Rückenlehne
noch 2 Hosen und 4 Hemden hängen. Auf dem Tisch steht das Essen, aber mich schaudert wenn ich die Essensreste der letzten
14 Tage auf der Decke entdecke. Ein Blick in die Küche kann nur Stubenfliegen begeistern. Wir können darüber streiten, was schlimmer ist: Das Chaos der vielen Gegenstände oder die Beklemmung im leeren Haus.
Jesus spricht von Wohnungen, die Gott uns bereitet hat. Bei anderer Gelegenheit sagt er, daß wir selbst, d.h. Unsere Seele eine solche Wohnung ist: mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und bei ihm wohnen Gott, Jesus will in Dir und mir wohnen. Jeder von uns ist also ein Haus. Ein Tempel des heiligen Geistes wie es an anderer Stelle heißt. David will Gott einmal ein Haus bauen, aber was ist das schon, ein Gebäude aus Steinen. Jeder Mensch kann ein Haus sein. Gott will zu uns kommen, in uns wohnen.
Natürlich gibt es in uns keine Tische und Stühle. Und Gott würde sich vermutlich auch im rechten Lungenflügel nicht allzu wohl fühlen. Gemeint ist das unsichtbare Haus unserer Seele. Da will Gott unser Gast sein. Zuerst muß das ganze Chaos heraus. Der Mißmut, Ärger, Haß. Unser Gast ist Jesus. Deshalb weg mit allem Gerümpel das sich angesammelt hat. Wenn aber das Haus unseres
Herzens ganz leer ist, dann wird es Zeit, daß wir wichtige Dinge einräumen, damit unser Gast sich wohlfühlt.
Drei Dinge sollten auf jeden Fall in unser Haus:
offene Türen. Gott wohnt gerne in Menschen, die offen sind. Menschen die darauf achten, wo andere Sorgen haben. Menschen, die mitfühlen können. Menschen, die nicht nur auf sich selbst hören, sondern offen sind für die Worte anderer. Die auch bereit sind Gott aufzunehmen.
Zeit haben. Gott wohnt gerne in Menschen, die nicht in der selbstgemachten Hektik versinken. Menschen, die Ruhe finden im Gebet. Die Zeit haben für sich selbst und andere. Menschen, die das Wort: Ich habe keine Zeit“ vermeiden, weil Sie wissen: ich habe Zeit für das, was mir wichtig ist.
Freundlichkeit. Gott wohnt gerne in frohen Menschen. Menschen, die auf andere zugehen und die anderen ein Lächeln schenken. Menschen, die höflich und zurückhaltend sein können. Menschen, die ihr Haus mit dem Blumenstrauß der Freundlichkeit
geschmückt haben.
Gott will in uns wohnen. Wenn wir wollen, daß Gott sich als Gast bei uns wohl fühlen kann, ist es wichtig alles Schlechte, sündige in uns zu entfernen. Die Wohnung aufräumen. Dann sollten wir das Türe unseres Seelenhauses weit öffnen, viel Zeit haben und freundliche Menschen sein, die ihr Haus mit der Liebe geschmückt haben.
Wenn Jesus nachher in der Kommunion zu uns kommt, um bei uns zu wohnen, können wir ihn bitten: Jesus hilf du mir dabei, mein Haus gemütlich einzurichten für dich. Amen.

von Pfr. Michael Roos
 

zurück

 

Seit treu bis in den Tod dann werde ich euch den Kranz des Lebens geben

Mit den drei Strophen des Festtagsliedes ist Ihnen der Lebenslauf und das Schicksal des heiligen Sebastianus wieder ins Gedächtnis und in Erinnerung gerufen worden. Auch das Tagesgebet eben legt Wert auf den alltagsprägenden Glauben, auf die Standhaftigkeit und Treue. Sie wissen selber, die Treue hat weithin ihre Bedeutung und ihren Wert eingebüßt; der ständige Wandel in der Gesellschaft, in der Technik, in der Wissenschaft und das teilweise schlechte Vorbild unserer derzeitigen Verantwortlichen (auch politischen Verantwortlichen), hat leider auch auf die persönlichen Überzeugungen und Ansichten der Normalbürger übergegriffen; viele wollen sich nicht mehr festlegen und binden; die Türen bleiben nach beiden Seiten hin offen, wie es sich für eine Spaßgesellschaft gehört. Das hat zur Folge, dass jeder Durchzug, jeder Windhauch die Menschen in ihrer Meinung wanken lässt. Gibt es keine Sicherheit mehr, keine Wahrheit, die bleibt, keine Verlässlichkeit, keine Treue mehr? Die heilige Schrift,
die uns Gottes sicheres Wort überliefert und zu deren Lesung wir jetzt im ökumenischen Bibeljahr mit dem Motto "suchen
und finden aufgerufen sind, lehrt uns die unumstößlichen Grundhaltungen des Glaubens und mahnt uns unter anderem ungezählte
Male zur Treue, wenn sie vom getreuen Knecht spricht, von dem der im Geringsten, im Wenigen treu ist, vom Rat treu zu sein
oder Gottes Treue preist. Die Treue zu Christus, die Treue im Glauben darf und sollte bei einem, der Christus als Sohn Gottes erkannt hat, ihn liebt und in der Gemeinschaft mit ihm in seiner Kirche lebt, kein Grund sein für Wankelmütigkeit. Sie, wie ich,
sollten Schneid haben, damit nicht nur die Märtyrer die Worte vernehmen:
"Sei treu bis in den Tod, dann werde ich dir den Kranz des Lebens geben "(Offb 2, 10).
Natürlich ist die Voraussetzung und der Grund aller Treue die Standhaftigkeit, das unbedingte Feststehen in dem, was man als wahr erkannt hat und wofür man sich entschieden hat, auch wenn daran gerüttelt wird z. B. auch an einem Gelobten Tag, am Großen Gebet, Bittprozessionen und, und, und. Standhaftigkeit verlangt deshalb Kraft, Mut und Ausdauer zu einer gesunden Tradition. Wahrer Glaube erträgt Einspruch und Widerstand und bleibt dabei nicht in der Defensive, in der reinen Abwehrhaltung. Ein überzeugter Christ weiß sich wohl zu verteidigen und Gegenargumente zu widerlegen. Deshalb ist das Lesen in der Heiligen Schrift
so wichtig und ein "Roter - Faden" der Kirchengeschichte.
Unser heiliger Sebastianus ging aber zugleich auch in die Offensive, er wollte Gegner überzeugen und gewinnen, so wird es uns überliefert. Mutig soll er die gefangenen Christen besucht und gestärkt haben. Kaiser Diokletian (284-305) ließ ihn daraufhin mit Pfeilen erschießen. Dem Tod überlassen, soll ihn Irene, die Witwe des heiligen Castulus, wieder gesund gepflegt haben. Als der todgeglaubte wieder zu sich kam, trat er erneut vor den Kaiser und sagte: "Durch gottlose Betrügereien täuschen dich die Götzenpriester und verleumden die Christen, als seien sie Feinde des Reiches. Und doch wird durch ihr Gebet der Staat gesegnet und wächst. Deswegen hat mein Herr Jesus Christus mich wieder zum Leben kommen lassen, damit ich vor dir und dem ganzen Volk bezeuge, dass du durch ungerechtes Urteil die Verfolgung gegen die Diener Christi angezettelt hast. Da ließ ihn der Kaiser am 20. Januar 288 in das Hippodrom des Palatin bringen und durch Keulenschläge töten.
Solchen wehrhaften und sieghaften Glauben finden wir wohl bei den Märtyrern, ein Glaube, der aber auch bei ihnen keine Selbstverständlichkeit war und ist. Vielmehr haben sie um diese Gabe und Gnade Gottes gebetet. Der Herr möge sie stärken, wenn die Stunde des Bekenntnisses kommt, wenn Zeugnis abzulegen ist über den "Grund des Glaubens"
Ja, Schwestern und Brüder in Christo, seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt. Die Gabe auch wirklich Rede und Antwort stehen zu können kommt durch den Umgang mit der Bibel. Bibel lesen ist wichtiger als Zeitungen und Illustrierten lesen. Die Mitfeier der heiligen Messe als Dankesfeier für Jesu Tod und Auferstehung mit Kommunion ist wichtiger als nur Agave-Party; denn nur Jesus Christus ist der wahre Sinninhalt unseres Lebens. Auch wenn es in unserer Gesellschaft auch im Gemeindeleben momentan so aussieht, dass die beiden Schlusssätze des heutigen Evangeliums nicht tragisch für einen werden können bzw. Wirklichkeit werden könnten, so will ich doch so schließen:
Heiliger Sebastian, wir bitten dich, auch stellvertretend für die Nicht-Anwesenden, nimm alle Lauheit, alle Unsicherheit und alle Wankelmütigkeit aus unseren Herzen, erbitte uns Standhaftigkeit und Treue, Festigkeit und Verlässlichkeit im Glauben und Mut, unser Christsein auf Jesu Wort und Tradition zu gründen, und lasse unsere jungen Leute "Jesus-Begeisterte" werden!

von Pater Franziskus Ruppert am Fest des hl. Sebastian

zurück